Sonntag, 13. September 2009

Meine Diplomarbeit gratis zum Download

Fast genau ein Jahr ist es her, dass ich mein Studium der Publizistik und Kommunikationswissenschaft an der Alpen-Adria Universität abgeschlossen habe - und sogar das Zeugnis konnte sich sehen lassen, ich glaube in der 1. Klasse Volksschule war es das letzte Mal auf diesem Niveau ;)

Christoph Bauer hat mich letzte Woche auf Facebook angeschrieben - er habe gerade meine Diplomarbeit ausgeborgt. Das erinnerte mich wieder daran, wie sehr ich es oft hasste irgendwelche Arbeiten aus der Bibliothek zu bestellen, nur um dann draufzukommen, dass sie doch nicht 100% geeignet sind. In einer Zeit wo jeder hunderte Gigabyte an Filmen und Musik herumliegen hat haben wir es noch immer nicht geschafft läppische Megabyte an Text vollständig digital verfügbar zu machen. Wenn die UB Software wenigstens Volltextsuche wie bei Amazon ermöglichen würde! Ich glaube die digitale Version meiner Arbeit musste ich nur für die Plagiatssoftware abgeben ...

Nachdem der österreichische Steuerzahler brav für meine Ausbildung bezahlt hat, finde ich es auch sehr dreist und frech, wenn viele Studenten ihre Diplomarbeit zu verkaufen beginnen. Irgendwie sollte man der Gesellschaft auch wieder etwas zurückgeben. Gut, womöglich ist die Verkaufsmotivation erklärbar durch immense Ausgaben bei der Recherche, die beliefen sich bei mir aufgrund von notwendigen Reisen und Büchern auf rund 1000Eur - nicht wenig aber notwendig.

Viele scheinen sich auch davor zu fürchten, ihre Arbeit zu veröffentlichen, da könnte ja Kritik kommen mit der man irgendwie umgehen muss - ich mache mir da recht wenig Sorgen, erstens weil ich eine sehr solide und mit sehr gut / 1 / A beurteilte Arbeit aufweisen kann und zweitens weil ich auch zu 100% hinter dem stehe, was ich auf über 100 Seiten erörtert und belegt habe. Eigentlich genau so, wie es auch sein sollte ;)

Rückblickend hat die Arbeit viel Spaß gemacht und Dr. Carsten Winter war ein spitzen Betreuer, der einen entsprechend forderte. (Bei anderen Betreuern wäre ich sehr wahrscheinlich mit dem halben Aufwand davon gekommen, nur wäre dann das Rückblicken jetzt nur halb so erfreulich, wenn man gerne bei allem was einen interessiert 100% gibt)

Um in medias res zu gehen - um was gehts in meiner Diplomarbeit?

Ich vertrete ja die Auffassung, dass bei allen Aktionen die Unternehmen für ihre KundInnen (ich bin für gendern aber dieses Wortkonstrukt in meiner Arbeit zu verwenden kostete mich viele Nerven) einen Nutzen bieten müssen, damit auch Personen das irgendwie annehmen können. Speziell bezogen auf neue Informationstechnologien, u.A. auch das Modewort Web 2.0, bringen Blogs einem Unternehmen nur einen Wettbewerbsvorteil, wenn dadurch den LeserInnen irgendein Vorteil entsteht. Ebenso verhält es sich mit allen anderen medialen Möglichkeiten - und mir ging es in meiner Arbeit darum, diese Möglichkeiten und entstehenden KundInnenvorteile auszuarbeiten. Das ganze vor der Theorie aus Kommunikationswissenschaft, Soziologie, Wirtschaftswissenschaften und auch meinem Hintergrundwissen aus der Informatik.

Damit das Ganze nicht nur eine reine Theoriearbeit vor teilweise gering - neutraler Literatur wie Robert Scobles Naked Conversations bleibt, interviewte ich Dieter Rappold von knallgrau, Peter Rass von der Telekom Austria, Oliver Nitz von der Hermanngasse, Barbara Ebner von der Kleinen Zeitung digital, Johannes & Gunda Schwaninger vom Steinerwirt, Sören Birke von der Kulturbrauerei Berlin und Hans-Conrad Walter von Kulturmarken.de. (Man verzeihe mir den Verzicht auf Titel in dieser Aufzählung, alle Personen haben einen Universitätsabschluss).
(Wer unbedingt die 9h auf 100 Seiten transkribierten Interviews lesen möchte möge sich bei mir melden :) )

Der Abstract meiner Arbeit:

Die Diplomarbeit „Neue digitale Netzwerkmedien und neue Wertschöpfungspotenziale in den Bereichen Medien und Kultur an ausgewählten Beispielen“ behandelt, wie sich durch technologische Entwicklungen Beziehungen zwischen Individuen verändern und damit auch Unternehmen beeinflussen.
Einerseits funktionieren Märkte nach neuen Prinzipien – Stichwort Longtail (S.23)– andererseits ändert sich aber auch die KundInnenkommunikation selbst, Blogs und Social Networks verlangen nach neuen Vorgehensweisen um KundInnenbeziehungen zu etablieren. KundInnen können direkten Kontakt mit Unternehmen aufnehmen und zielgerechter erreicht werden. Wiederum findet Kommunikation über diese stärker öffentlich (Foren, Blogs) statt und bedeutet sowohl positives als auch mitunter negatives Feedback.
Nachgegangen wird der Frage, wie Unternehmen diese Beziehungstechnologien nutzen können, um einen Benefit für sich und Ihre Kunden zu schaffen.
Anhand von ExpertInneninterviews und Literaturrecherche werden die aktuellen Erkenntnisse und Entwicklungen zusammengefasst und in weiterer Folge dafür verwendet, die Situationen von vier Unternehmen aus den Bereichen Medien, Kultur und Tourismus zu analysieren und zu bewerten.
Die verwendete Literatur behandelt drei Themengebiete: Der soziologische Zugang der Informationsgesellschaft und des „Digital Age“ von Manuel Castells, die betriebswirtschaftlichen Aspekte der KundInnenzufriedenheit und die technologischen Möglichkeiten sowie die Diskussionen über deren Rentabilität.
Beschrieben wird wie die Kultusponsoringagentur Causales (Berlin) ein Internetportal betreibt, um Kontakt zu Interessenten zu halten und auf welche Art und Weise Consense Zielgruppen für Veranstaltungen in den Räumlichkeiten der Kulturbrauerei Berlin erreicht. Ebenso wie der Steinerwirt in Zell am See u.A. über Youtube (potentielle) Gäste erreicht. Aus dem Medienbereich wird die Kleine Zeitung Online behandelt, die 175.000 registrierte Benutzer zählt und unter Anderem user generated content auf Gemeindeebene fördert.

Wenn ich auf diesem Weg auch gleich ein paar Literaturempfehlungen abgeben darf: Felix Stadlers Castells ist ausgesprochen interessant. Der Long Tail von Chris Anderson ist vielen ein Begriff und öffnet auch die Augen für neue ökonomische Effekte durch digitale Technologien. Die Weblogliteratur hat mich größtenteils enttäuscht, sehr brauchbar - vor allem für Kommunikationswissenschaftler - ist Weblogs von Jan Schmidt. Ebenso sei Konvergenzmanagement und Medienwirtschaft von Carsten Winter empfohlen.

Ein Hinweis: ich gehe mal nicht davon aus, dass meine Offenheit von einigen Wenigen für das Plagiieren missbraucht wird - es wäre auch einigermaßen nutzlos, da per Google jeder relativ rasch draufkäme, dass von hier kopiert wurde. Sollte dies jemandem unterkommen, möge er sich bei mir melden!

Hinweise, Anregungen, Fragen und dergleichen bitte an christian.mairitsch@edu.uni-klu.ac.at richten.

Danke auch, wenn bis hierher alles gelesen und nicht nur gescrollt wurde!

Meine Diplomarbeit hier (PDF, 4MB, 105 Seiten)

Kommentare:

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